Plastik zu Öl Recycling nimmt Fahrt auf – Kommerzielle Anlagenbau für Plastikrecycling – Substanzielle Risiken für Kleinanleger

Im Vereinigten Königreich (UK) hat am 15.02.2021 die Förderstelle für Innovationen (Innovate UK) ein Projekt der Firma Recylcing Technologies in Zusammenarbeit mit drei Universitäten (Birmingham, Surrey und Cranfield) mit einem Wert von GBP 1.2 Millionen unterstützt. Das Projekt wird die Effizienz der chemischen Recycling Technologien in den UK verstärken und ausbauen.

Ebenfalls hat in den UK die Firma Mura Technology den Bau des weltweit ersten kommerziell-skalierbaren Werkes, um alle Arten von Plastik zu recyclen, in Angriff genommen. Das Werk wird gemischte, gefärbte, sogar Plastik, welches mit Essensresten kontaminiert ist, verarbeiten können. Mura ist professionell aufgestellt und hat nebst einer Kooperation mit der US-Amerikanischen KBR, welche an der Börse USD 5.7 Milliarden Wert ist, auch noch finanzielle Unterstützung von Armstrong Capital Management, welche auf Impact Investing spezialisiert ist.

Einer der Hauptgründe, für die bisher noch nicht erfolgreiche Marktdurchdringung des chemischen Recyclings, war der finanzielle Kollaps der daran arbeitenden Firmen. So hat die Global Alliance for Incinerator Alternatives (GAIA, Globale Allianz für Verbrennungsalternativen) in einem Bericht aus dem Jahr 2017 festgehalten, dass die Thermoselect Anlage in Deutschland über einen Zeitraum von 5 Jahren mehr als USD 500 Millionen verlor (siehe Karlsruhes Thermoselect-Desaster: Die Geschichte einer Selbstüberschätzung). In den UK hätte zudem die Interserve Firma USD 100 Millionen in diversen chemischen Recycling Projekten verloren und viele andere Firmen seien mit dem Konkurs konfrontiert gewesen.

Bisher war das Sammeln, Sortieren und Recycling der Verpackungen einfach teurer als die Herstellung neuer Verpackungen, gemäss Aussagen von Sara Wingstrand, von der Ellen MacArthur Stiftung, gegenüber der BBC. Finanzielle Schwierigkeiten haben nicht nur chemisches Recycling bisher vor einem Durchbruch zurückgehalten, sondern auch viele andere Plastikrecylcing-Technologien.

Spezielle Vorsicht ist geboten, wo die Informationspflichten und Prospektpflichten (bpsw. gemäss FIDLEG Art. 35 und Art. 40) durch die Anbieter solcher Technologien umgangen oder ignoriert werden. In FIDLEG Art. 40 steht bspw.: Der Prospekt enthält die für einen Entscheid der Anlegerin oder des Anlegers wesentlichen Angaben: a. zum Emittenten und zum Garantie- und Sicherheitengeber, namentlich: 1. Verwaltungsrat, Geschäftsleitung, Revisionsstelle und weitere Organe, 2. die letzte Halbjahres- oder Jahresrechnung oder, wenn noch keine solche vorliegt, Angaben zu Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, 3. die Geschäftslage, 4. wesentliche Perspektiven, Risiken und Streitigkeiten. Eigentlich wäre dem Gesetzgeber klar, wie die Kleinanleger geschützt werden können. Hingegen ist die Überwachung und Durchsetzung ein Prozess bei dem es harzen kann.

Auch irreführende und somit unlautere Werbung ist ein weiteres Problem, wo zu vollmundige und unsubstanzierte Behauptungen aufgestellt werden. Insbesondere sind in diesem Segment naturgemäss auch Firmen unterwegs, die sich die Gutgläubigkeit und Naivität der Anleger, konkret der Kleinanleger, zu Nutzen machen. Dies, um persönlich Profit zu ziehen und mit undurchsichtigen und intransparenten Gefässen und Technologien operieren. Alternativ oder zusätzlich können diese Firmen finanziell auf wackligen Beinen stehen. Meistens werden Kleinanleger nur dann angesprochen, wenn grosse Förderagenturen, -banken und Firmen mit Spezial- und Fachwissen sowie Banken bereits aufgrund ihrer vertieften Analysen abgewunken haben.

Auch aggressive Verkaufstaktiken (die gegen das UWG verstossen können und somit beim SECO gemeldet werden können) mit Druckausübung und Vermittlung durch kommissionsgetriebene Verkäufer sind ein weiteres Warnsignal für dubiose Praktiken. Interessenten sollten sich vom Verkäufer alles schriftlich geben, vor allem in Bezug auf Ihre Bedenken und Nachfragen zur finanizellen Vergangenheit und den möglichen Risiken der jeweiligen Firma. Glücklicherweise erlaubt das Obligationenrecht, dass bei Täuschung und Irreführung Verträge nichtig, bzw. angefochten werden können.

Siehe auch:

Finanzierung Geschäftstätigkeit durch unerlaubte Entgegennahme von Publikumseinlagen – Darlehen unter der Bezeichnung “Anleihensobligationen” – uneinheitliche Ausgabebedingungen – Financial Markets Blog (zuberbuehler-associates.ch)

Superprovisorische Verfügungen der FINMA – Wie man sie im Handelsregister findet – Gefahr für Anleger und Gläubiger – Anlegerschutz – Financial Markets Blog (zuberbuehler-associates.ch)

Wie Investoren und Kleinanleger betrogen werden – Aktienvertrieb als Hauptgeschäftstätigkeit – Einsatz von Vermittlern und Finanzberatern – Umgehung der Börsengesetzgebung – Financial Markets Blog (zuberbuehler-associates.ch)

Fragen oder Rückmeldungen?

contact@zuberbuehler-associates.ch

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