Zinslipicker und Sparfüchse – Zinspilot – Deposit Solutions

Zinspilot, eine Plattform der Deposit Solutions, bietet Anlegern die Möglichkeit ihre Gelder in Ländern mit tieferer Kreditwürdigkeit einfach zu höheren Zinssätzen anzulegen. Die Frage ist, wird das zum gleichen Risiko-Rendite Profil gemacht? Es wird suggeriert ja (siehe Screenshot der Seite Zinspilot vom 24.11.2020, diese Grafik springt u.a. beim Navigieren der Website auf). Finanztheoretisch ist es eher unwahrscheinlich. Mit dem schlechteren Rating holt man sich auch mehr Volatilität ins Portfolio.

Kreise von links nach Rechts sind klassischen Anlagestrategien: A = Festverzinslich, B = Einkommen, C = Rendite, D = Ausgewogen, E = Wachstum, F = Aktien

Die Einlagensicherung wird als absolut und sicher vermarktet, wobei diesbezüglich grosse Zweifel angebracht sind. Im Fall Island (siehe Ursache) hat man schön gesehen, was passiert wenn sich nicht solide Länder ihre Wirtschaft via die Einlagen aus dem Ausland finanzieren, mit den damals höchsten Zinssätzen in Europa.

In einer Zeit von nie dagewesener Notenbankaktivität ist das jagen nach oberflächlich höheren Zinsen eine suboptimale Lösung für die Geldanlage, die mal für mal die jeweiligen Anleger in grosse Schwierigkeiten gebracht hat.

Der Grund für höhere Zinsen ist praktisch immer verbunden mit mehr Risiko. Irgendjemand trägt am Schluss dieses Risiko. In einer Zeit von FIDLEG/FINIG (Prüfpflicht, Angemessenheitspflicht, Eignungsprüfung) wären die Informationsblätter, die das Risiko für die Bankeinlagen in Kroatien, Malta und Lettland realistisch und für den Kunden verständlich aufzeigen spannend. (Schreiben Sie mir bitte, wenn Sie solche Informationsblätter erhalten) Die Banken handeln sich mit dieser Zinsarbitrage auch potentiellen Ärger ein, da der Kunde ja weiterhin bei der gewohnt „sicheren“ Bank ist, aber neuerdings die Zinsprodukte aus dem nahen und fernen Europa eingekauft hat (die Banken müssten also sicherstellen, das Execution Only gewählt wird, wenn sie nicht exponiert sein wollen, beim Szenario Staatspleite, Währungsturbulenzen). Bei einem Kollaps des einen oder anderen Landes (siehe Griechenland), könnte das wohl für den einen oder anderen Problemfall sorgen.

Fragen oder Rückmeldungen?

Gerne via Kommentar oder via Email an contact@zuberbuehler-associates.ch.

4 Kommentare

  1. Wie es ausgeht:
    Auf der Flucht vor Null- und Negativzinsen lassen sich viele deutsche Sparer von besser verzinsten Anlagen auf Internetplattformen wie Weltsparen.de anlocken. Den Anlegern, die bei den Angeboten der Bremer Greensill Bank zugegriffen haben, könnten nun ungemütliche Zeiten bevorstehen. Mit ungewöhnlich hoch verzinsten Tages- und Festgeldangeboten hatte die Bank ihre Bilanzsumme zuletzt innerhalb weniger Jahre vervielfacht.

    Ende 2019 standen laut einer Analyse der Ratingagentur Scope Einlagen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro in den Büchern. Davon sollen gut 1 Milliarde Euro von deutschen Privatanlegern, der Rest von institutionellen Investoren stammen. Das Geld wurde hauptsächlich dazu genutzt, die Investitionen der britisch-australischen Finanzgruppe Greensill Capital zu finanzieren und abzusichern.

    https://www.faz.net/aktuell/finanzen/schieflage-von-greensill-kann-deutsche-sparer-treffen-17224227.html

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  2. Greensill Capital hatte die frühere Nordfinanz Bank AG 2014 übernommen und aus ihr die Greensill Bank geformt. Das Geldhaus aus Bremen ist eine Art Geld- und Garantiegeber für die Gruppe. Dem Jahresabschluss 2019 zufolge beliefen sich die Verbindlichkeiten des Instituts gegenüber Kunden auf 3,3 Milliarden Euro, die Bilanzsumme hat sich zwischen 2017 und 2019 auf 3,8 Milliarden Euro verzehnfacht. Für die Refinanzierung nutzt die Bank auch die Einlagen von Privatkunden, um deren Gunst sie mit vergleichsweise hohen Zinsen bei Vergleichsportalen wirbt. Die Bank ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken in Deutschland. Zuletzt kam dieser beim Zusammenbruch der Maple Bank im Februar 2016 zum Tragen.
    Quelle: Reuters

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  3. Die in Turbulenzen geratene Greensill Bank aus Bremen will ihre Kunden beruhigen. Ein Sprecher des Instituts erklärte am Mittwoch, die Spareinlagen der Kunden seien geschützt durch den Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden beliefen sich Ende 2019 laut Jahresabschluss der Bank auf knapp 3,3 Milliarden Euro. Etwa eine Milliarde davon sammelte das Institut über Portale wie „Weltsparen“ und „Zinspilot“ von Privatanlegern ein, wie aus einem Bericht der Ratingagentur Scope hervorgeht. Der Rest entfällt auf institutionelle Anleger und Firmenkunden.

    Bei dem vom Fintech Deposit Solutions betriebenen Online-Portal „Zinspilot“ gebe es Anfragen von Kunden, die ihr Geld bei der Bremer Bank angelegt haben, wie eine Sprecherin des Fintechs sagte. Die Bank habe das Unternehmen zudem darüber informiert, keine zusätzlichen Einlagen aufnehmen zu wollen. Daraufhin seien die Greensill-Produkte aus dem Angebot genommen worden. Beim Fintech Raisin, das die Plattform „Weltsparen“ betreibt, hieß es, man habe an 15.000 Kunden Festgelder bei Greensill Bank vermittelt im Volumen mehreren hundert Millionen Euro.
    Quelle: Reuters

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  4. Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor in Stuttgart, sieht daher zwei Lehren aus dem Fall Greensill. Auf der einen Seite stelle es durchaus ein „systemisches Risiko“ dar, wenn die Zinsplattformen große Einlagenströme von Privatkunden zu unbekannten Banken lenkten, deren Geschäftsmodell und Risiken die Kunden nicht abschätzen könnten. Wenn die Einlagensicherung der einzige Grund sei, warum jemand sein Geld zu einer unbekannten Bank bringe, sei das ein „Missbrauch der staatlichen Sicherung“. Selbst hinter dem freiwilligen deutschen Einlagensicherungsfonds stehe ja, wenn alles schieflaufe, der Staat. Auf der anderen Seite sei es natürlich auch Aufgabe des Sicherungsfonds, zu gucken, wen er aufnehme.

    „Ökonomisch besser wäre es, wenn die Banken, die Mitglied in der Einlagensicherung sind, eine risikoabhängige Prämie zahlen müssten“, sagt Burghof. Wenn das nicht gehe, müssten die Banken darauf achten, dass nur solche Institute Mitglied würden, deren Risiken nicht den Rahmen sprengten. Insbesondere müssten sie das „Zocken auf die Einlagensicherung“ verhindern: Also nicht zulassen, dass eine Bank existenzgefährdend hohe Zinsen zahlt, dadurch gewaltige Einlagen an sich zieht – und das Risiko eines Ausfalls über die Einlagensicherung sozialisiert wird.
    Quelle: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/dreimal-kaupthing-fuer-deutsche-sparer-17236015-p2.html

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